22
Okt
2013

Mein Problem

Zuerst wollte ich diesen Beitrag "Was ist eine Depression?" benennen, doch ich denke, dass ich nicht in der Lage bin, das zu erklären. Depression drückt sich bei jedem Menschen auch anders aus. Manche fühlen sich wertlos, möchten sterben, verletzen sich selbst. Andere kriegen ihr Leben nicht auf die Reihe, sind antriebslos, haben keine Lust auf irgendetwas. Ich gehöre eher zu der letzteren Sorte von Depressiven.

Den Begriff Depression benutze ich ganz bewusst, denn es kotzt mich an, dass Menschen Vorurteile dem gegenüber haben. Vorhin erst wollte jemand unbedingt diesen Blog lesen und ich möchte das nicht. Weil ich Angst habe, dass diese Person mich dann mit anderen Augen sieht. Mich entweder total blöd findet, weil ich ja nur faul bin und nichts schaffe. Oder mich bemitleidet, weil ich so arm bin. Mich als schwach ansieht, etc.

Das ist alles nicht der Fall. Ich denke nicht, dass ich schwach bin, ich bin auch nicht bemitleidenswert oder faul. Deshalb habe ich mir überlegt einen Versuch zu starten, mich zu erklären.

Wie geht es mir? Mir geht es "normal". Ich fühle mich nicht schlecht, aber auch nicht gut. Im Grunde neutral. Eigentlich fühle ich gar nichts. Lachen kann ich! Weinen auch, allerdings nur selten. ich kann mich sehr gut auf und über Dinge freuen. Aber nur wirklich besondere Dinge.

Bei meiner ganzen Selbstreflektion denke ich, dass mein Problem folgendes ist: Ich habe kein Leben.

Ich wache mittags auf, gucke eine Serie oder zocke. Esse zwischendurch was. Gebe meiner Katze futter. Zocke weiter. Checke Facebook, schreibe mit Leuten oder verabrede mich selten, eigentlich mehr, um zu zeigen, dass ich noch da bin. Gehe schlafen. Das ist kein Leben.

Das Gute bei mir ist, dass ich schnell wieder aus meinen Tiefs komme. Und zwar durch ganz einfache Dinge. Gerade freue ich mich auf Samstag, ich habe mich mit jemandem verabredet. Vielleicht ist es ein Date, vielleicht auch nur ein Treffen, ich weiß es nicht. Sie ist toll, sie ist lustig, sie ist strange, schön und absolut gestört. Ein bisschen wie ich.Sie war es auch, die unbedingt meinen Blog lesen wollte. Doch ich kann mich nicht so einfach vor ihr offenbaren, denn ich habe Angst. Ich habe Angst, dass sie nicht versteht und das alles falsch einschätzt.

Ich denke nicht, dass ich krank bin. Ich gehöre in keine Klinik oder etwas derartiges. Mein Stoffwechsel ist gestört und das ist nichts, was ich mir einrede, das ist "bewiesen" (Anhand von einigen Tests kann man das feststellen). Es ist als hätte ich Diabetes, mir fehlen Stoffe, die ich mit Medikamenten ersetzen muss. Leider habe ich das nie gemacht, da ich es für unsinnig befunden habe. Ich dachte ich könnte einfach glücklich sein, mich mit Menschen umgeben und leben. Doch so funktioniert das nicht, das ist mir in den letzten Woche klar geworden. Mein BFD macht mich glücklich und es hat mir ein Hochgefühl bereitet. Doch die Lustlosigkeit hat sich wieder eingestellt und zwar ganz von alleine.

Vielleicht werde ich ihr diesen Blog irgendwann zeigen. Doch gerade ist die Angst davor, dass sie nicht es nicht verstehen wird, noch zu groß. Wobei... sollte ich sie überhaupt treffen, wenn sie es nicht verstehen würde?
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